Backen, basteln, bescheuerte Lieder singen
Kabarettistin Heidi Friedrich brillierte mit ihrem neuen Programm "Frühreif"
Die "homöopathischen Waldorfschulen" werden genau so wenig geschont wie die "Männer mit dem Hilti-Gen", der Papst wird genau so durch den Kakao gezogen wie Jopi Heesters. Heidi Friedrich, Kabarettistin aus Bamberg, ..., ist nichts heilig. Und deshalb ist ihr neues Programm "Frühreif" so gnadenlos gut.
Heidi Friedrichs Gags sind immer witzig, aber nie billig. Ihre Ironie ist immer beißend, aber nie bitter. Und wenn sie, was sie zur Freude des Publikums oft tut, die Pfade der political correctness verlässt, wird es nie peinlich. So ist es ein Vergnügen, dabei zu sein, wenn sie das Facebook-Profil des "Führers" verfasst, wenn sie "I like to be in Afghanistan" trällert oder wenn sie als Kampfhundebesitzerin und Prekariatsmutter von Marcel, Mandy, Kevin und Justin Erziehungstipps gibt.
Bei Heidi Friedrich folgt Pointe auf Pointe, ihr Spiel kommt auch bei schwierigen Themen leicht daher, sie kann improvisieren, tanzen, singen und braucht außer Rollator Modell "Troya" keine Requisiten. Am Ende des Programms brachte ihr das Publikum stehende Ovationen dar. Natürlich aus Begeisterung. Aber auch, weil die Künstlerin die Theaterbesucher nach dem Motto "Turne bis zur Urne" zu Leibesübungen genötigt hatte. Das Altersheim, in dem diese Frau dereinst mal wohnen wird, hat ausgesorgt.
Mainpost, Oktober 2010 |